Ed Sheeran ist überall. Zumindest hat man seit gut eineinhalb Jahren – seit Erscheinen seines dritten Albums Divide – das Gefühl, dass es so ist. Man kommt an keinem Radio vorbei, ohne irgendwann einen Ed Sheeran Song zu hören. In den Charts war er gleich mit mehreren Songs vertreten und das Video zu „Perfect“ lief auch auf gefühlt jedem Musiksender, der heutzutage noch Musikvideos im Fernsehen zeigt. Wenn man also von einem Künstler durchaus inzwischen genervt sein dürfte, dann wohl von Ed Sheeran.

Großes Hin und Her um Ed Sheeran Konzert im Vorfeld
Genauso genervt waren auch diejenigen, die schon seit über einem Jahr Karten für sein einziges Konzert in NRW besaßen und es bis vor einigen Wochen noch auf der Kippe stand, ob das Konzert überhaupt stattfinden würde.
Denn der eigentlich gedachte Flugplatz in Essen konnte aufgrund seltener Vogelarten, die dort lebten und einigen Verdachtsfällen von Weltkriegsbomben dann doch nicht als Lokalisation herhalten. Ersatz war schnell gefunden: ein neu entstehendes Open Air Konzertgelände in Düsseldorf sollte nun die gut 80 000 Besucher samt Ed Sheeran begrüßen. Doch dafür müssten 100 Bäume gefällt werden. Letztlich entschied sich der Rat in Düsseldorf gegen das Konzert. Und siehe da, plötzlich hatte der Veranstalter des Konzerts ganz schnell einen Plan C: die Veltins Arena. Nur jetzt eben aufgeteilt auf zwei Konzerttage. Etwas, das vor wenigen Monaten aufgrund des stressigen Tourplans des Briten offenbar noch unmöglich schien, wurde jetzt innerhalb weniger Wochen organisiert.
Ed Sheeran nur mit Akustikgitarre und Pedalboard auf der Bühne
Und so betritt Ed Sheeran dann also nach diesem ganzen Trubel doch noch die Bühne. Ganz allein, in Jeans und T-Shirt und mit Akustikgitarre. Nur die ersten Klänge von „Castle On The Hill“ erklingen und die gut 50 000 Besucher an diesem zweiten Konzerttag auf Schalke rasten aus. Schon absurd, was so ein rothaariger Brite bei den Leuten auslösen kann.
Es folgt ein ganzen Potpourri an Hits, die Ed Sheeran in den letzten sieben Jahren geschrieben hat. Von „A-Team“, „I See Fire“ über „Don’t“ bis hin zu „Photograph“ und natürlich der Schmachtballade „Perfect“.
Dabei spielt Ed Sheeran zunächst immer erst alle Melodien des Songs ein und lässt diese dann als Loop zusammen ablaufen, ehe er live dazu singt und Gitarre spielt. Bass und Drums ersetzt er, indem er durch Schlagen auf seinen Gitarrenbauch diverse Beats erzeugt. Dabei kann man dann bereits vor dem eigentlichen Lied versuchen zu erraten, zu welchem Song sich das Ganze entwickelt, denn die Songs klingen live auch komplett anders, als auf Platte. Übrigens: Er ist sich selbst dabei auch seine eigene Backgroundstimme.
Soundqualität lässt zu wünschen übrig
Eigentlich ist die Art Musik, die Ed Sheeran da macht, nicht unbedingt typisch für Stadionkonzerte. Das wird auch leider beim Sound deutlich. Gerade bei den schnelleren Songs klingt es leider immer etwas scheppernd und schrill, noch dazu hallt der Gesang. Das Ganze könnte allerdings auch an der Lokalität selbst gelegen haben, denn bereits letztes Jahr bei Rock im Pott war der Sound nicht gerade positiv aufgefallen. So klangen selbst die Toten Hosen extrem schrill. Ob es womöglich an der Tatsache liegt, dass das Hallendach bei Konzerten geschlossen ist? Man weiß es nicht.
„Sorry to all the boyfriends who don’t want to be here right now“
Dennoch hat Ed Sheeran da eine sehr gute Performance als völliger Alleinunterhalter hingelegt. Zwischen den Songs macht er immer wieder unterhaltsame Ansagen, bei denen er sich dann auch selbst manchmal nicht mehr so ernst nimmt. So sei er selbst ein ziemlich schlechter Konzertgänger, weil er sich keinen einzigen Zentimeter bewegen würde, auch nicht, wenn seine Lieblingsband gerade seinen Lieblingssong spielt, erzählt er. Darum fordert er seine Fans auf, zu tanzen und zu singen, egal wie gut oder schlecht. Es gehe schließlich um Spaß. Auch grüßt er die Boyfriends und Väter, die eigentlich lieber woanders wären. Es tät ihm leid. Über sich selbst lachen kann er also.
Nach knapp zwei Stunden Set kommt Ed Sheeran noch einmal im Deutschlandtrikot auf die Bühne, um mit „Shape Of You“ und „You Need Me, I Don’t Need You“ noch eine Zugabe abzuliefern. Dabei springt er immer wieder auf seinen kleinen Podest und rennt samt Gitarre auch mal zu den anderen Bühnenrändern, ehe er die Leute animiert mitzusingen. Und die singen dann auch lauthals mit. Und ja, vielleicht ist es dann doch irgendwie Musik für ein Stadion, wenn 50 000 Menschen die Musik eines Musikers mitsingen, der eigentlich nur mit seiner Gitarre auf der Bühne steht.
Ed Sheeran – größter Popstar momentan?
Eins steht jedenfalls fest: Ed Sheeran ist einfach Moment einer der größten Popstars, die es gibt und dass er dabei eher wie der Typ von Nebenan wirkt, mit dem man sich spontan auf ein Bier im Pub treffen kann, macht ihn gleich sympathischer. Dabei wird aber auch gerne mal vergessen zu erwähnen, dass Ed Sheeran tatsächlich auch ein ziemlich guter Musiker ist. Für sein aktuelles Album Divide hat er einen Großteil der Instrumente selbst eingespielt und nebenbei noch Songs für andere Künstler geschrieben. Stimmlich ist der Brite auch nicht zu unterschätzen, vor allem live nicht – trotz miesem Sound.
Auch, wenn das ganze Drumherum um das Konzert in Essen/Düsseldorf/Gelsenkirchen und Ed Sheeran an sich inzwischen offenbar viele zu nerven scheint, so muss ich sagen, war das Konzert doch einfach mal ein anderes, aber schönes musikalisches Erlebnis.
Schreibe einen Kommentar