Spätestens seit der letzten Fußballmeisterschaft kennt jeder die kleine Insel hoch im Norden. Das Land aus Feuer und Eis, das aber trotz seiner nur gut 320.000 Einwohner deutlich mehr zu bieten hat, als eine wunderbare Natur, nämlich viel Kultur und Musik. Verbringt man gerade längere Zeit in Reykjavík, so wird Livemusik zu einem täglichen Begleiter. Sei es das kleine Barkonzert am Abend, eine spontan aufgebaute Bühne auf dem Ingolfstorg oder einer der vielen Feiertage im Sommer, bei welchen alle bekannten isländischen Bands kostenfrei spielen. Nicht zu vergessen sei dabei wohl eines der coolsten Festivals, das e überhaupt gibt: Die Iceland Airwaves ziehen ihren Charme nicht durch die offiziellen Konzertorte, sondern durch die unzähligen kleine Off-Venues. Vom Buchladen bis zum Friseursaloon, alles was halbwegs Platz bietet, um Menschen und eine Band zu beherbergen wird bespielt. Wir haben uns auf einen musikalischen Pfad der Erinnerung begeben und für euch Bands abseits von Sigur Rós, Börk und den inzwischen recht bekannten Kaleo herausgesucht.
Ásgeir – Nýfallið Regn
Zugegeben, ein wirklicher Geheimtipp ist Ásgeir inzwischen nicht mehr, gerade in den USA hat er sich bisher eine kleine Fanbasis geschaffen. 2012 veröffentlichte er in Island sein Debütalbum Dýrð í dauðaþögn (grob übersetzt: Die Schönheit in der Totenstille) welches dort eines der meistverkauften Alben ist. Umgerechnet hat mindestens jeder 10. Isländer dieses Album im CD Regal stehen. Interessant ist übrigens: Ásgeir verfasst den größten Teil seiner Texte nicht selbst, er nutzt schlicht die Gedichte seines Vaters Einar Georg Einarsson, ein bekannter isländischer Lyriker. Aufgrund des riesigen Erfolges in Island übertrug Ásgeir seine Texte übrigens auch ins Englische. Wir haben uns aber für einen Song in der Originalsprache entschieden, es hat tatsächlich klangliche Gründe. Und weil die Texte im Englischen tatsächlich vieles ihrer Poesie verlieren.
Sóley – I’ll drown
Ursprünglich war Sóley Teil der Band Seabear, mit welcher sie durchaus auch internationale bekannt wurde. Das Label wurde daraufhin auf Sóleys Qualitäten als Komponistin aufmerksam und ermutigten sie, eine Soloplatte aufzunehmen. Daraus entstand im Jahr 2011 ihr Debütalbum „We sink“. Bisher hat Sóley noch zwei weitere Platten veröffentlicht und ist inzwischen auch als Soloact auf Tour.
Árstíðir – Ljóð í sand
Árstíðir inzwischen ein doch breiteres Publikum erspielen. Bekannt wurden sie in Deutschland besonders durch ihren Flashmob im Wuppertaler Bahnhof. Dort sangen sie inmitten der Wartehalle die „Heyr himna smiður“, das dazugehörige Video wurde inzwischen mehr als 6 Millionen Male angeklickt. In Island sind sie vor allem für ihre stimmungsvollen Weihnachtskonzerte und extrem unterhaltsamen musikalischen Barabende bekannt. Die Band hat inzwischen drei Alben und drei EP’s veröffentlicht und ist europaweit auf Tour.
Agent Fresco – Destrier
Spätestens, als sie als Sieger aus der isländischen version von „Battle of the Bands“ hervorgingen, waren Agent Fresco in Island ziemlich bekannt. Kurze Zeit später veröffentlichten sie 2008 ihr erstes Album Lightbulb Universe. Im Laufe der Jahre fanden Agent Fresco immer mehr zu ihrem einzigartigen Stil aus Progressive Rock, Jazz und Math Rock. Nachdem sie 2015 ihr Album Destrier veröffentlichten, gelang es ihnen, auch auf internationaler Ebene für Aufmerksamkeit zu sorgen. Auch für uns landete Destrier in diesem Jahr in unseren TOP Alben des Jahres.
Sólstafir – Fjara
Die Band entstand 1994 als Nebenprojekt von Aðalbjörn Tryggvason und Halldór Einarsson. Ursprünglich war Sólstafir eher im Bereich des Viking Metal anzusiedeln. Über verschiedene Alben hinweg haben sich Sólstafir musikalisch jedoch deutlich weiterentwickelt, sodass sie sich spätestens 2005 mit dem Album Masterpiece of Bitternessvon ihren Wurzeln abwandten und deutlich progressiver wurden. Ihr Sound ist seither von Anleihen aus dem Doom Metal, Postrock und Ambient geprägt. Möchte man Sólstafir in eine musikalische Schublade stecken, so trifft es psychedelic Metal vermutlich am ehesten.
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