Mit manchen Bands ist es so, wie mit alten Freunden: man sieht oder hört sie lange nicht, aber wenn man es dann tut, ist es wie früher. Das trifft auch auf Enter Shikari zu. Mit 16 lief ihr Debütalbum Take To The Skies bei mir rauf und runter. 2008 hab ich sie dann zum ersten Mal beim Hurricane Festival gesehen. Doch dann kamen andere Bands, andere Musikrichtungen. Enter Shikari gerieten ein wenig in Vergessenheit bei mir.
Doch musikalisch ist die Band um Sänger Roughton „Rou“ Reynolds, Drummer Rob Rolfe, Bassist Chris Batton und Gitarrist Liam „Rory“ Clewlow ganz und gar nicht in Vergessenheit geraten. Im Gegenteil, letztes Jahr erschien mit The Spark ihr inzwischen fünftes Album von der Band aus St. Albarns – übrigens kam auch Stephen Hawkins aus der Stadt nahe London!
Bekannt wurden Enter Shikari als Myspace-Band
Doch angefangen haben die Briten bereits 2003, als sie noch zur Schule gingen. 2005 spielten sie dann ihren ersten größeren Auftritt beim Myspace Newcomer Festival. Und das gleichnamige Social Media Netzwerk von damals hat der Band zu Anfang ihrer Karriere auch geholfen, ihre Musik zu verbreiten. Anno 2006 hatte gefühlt jeder Zweite auf Myspace ihren Hit „Sorry You’re Not A Winner“ als Profilsong. Wer erinnert sich noch an das Video, in dem ein Typ im Grünen T-Shirt mit seinen Freunden durch das Zimmer mosht und alle immer brav zum Beat dreimal klatschen? Das war so 2006!
Take To The Skies erreichte schließlich 2007 in den UK Charts Platz 4 und inzwischen Goldstatus. Das wiederum ließ die Band in relativ kurzer Zeit bekannt werden. Darauf folgten Touren sowohl durch UK, aber auch Europa und inzwischen auch USA, Asien und Australien. Und Enter Shikari entschieden sich zeitgleich dafür, Musik auf einem eigenen Label zu veröffentlichen und gründeten das Label Ambush Reality, das sie gemeinsam mit Freunden betreiben.
Elektronische Einflüsse bis hin zum Dubstep gemixt mit Metalcore
Musikalisch haben sich die Briten bei jedem ihrer inzwischen fünf Alben weiterentwickelt und neu ausprobiert. Mal ein bisschen mehr Elektro bis hin zum Dubstep, dann wieder einige Metaleinflüsse – eigentlich ist die Musik von Enter Shikari nur sehr schwer zu beschreiben. Das gleiche gilt auch für ihre Liveshows. Auf ihrer letzten Tour hatten sie ein Quadrophonic Soundsystem dabei, was bedeutete, dass der Sound nicht nur von der Bühne ganz vorne geschallt wird, sondern auch noch hinter dem Publikum. Inspiriert wurden sie dabei von Roger Waters, der das System bereits beim Coachella installiert hatte. Doch auch auf der Bühne selbst ist immer viel los. Mal stept Gitarrist Rory auf eine Box, die vom Publikum getragen wird und spielt dabei Gitarre. Ein anderes Mal springt Bassist Chris samt Bass in den Circle Pit. Das alles toppt allerdings nicht Sänger Rous verrückte Tanzkünste, die er dem Publikum natürlich meist nicht vorenthält. Hinter der Band sind auf LED-Wänden Animationen zu erkennen, die schon fast an ein Muse-Konzert erinnern. Was die Show angeht, müssen Enter Shikari sich also nicht verstecken. Noch dazu kommen natürlich die Fans, die immer wieder springen oder riesige Moshpits gründen. Außerdem hält die Band seit 2009 den Weltrekord für die meisten Crowdsurfer in ihrem Publikum! Wenn das mal nichts ist….
Doch es hagelte auch ab und an Kritik von Fans, dass Enter Shikari inzwischen zu elektronisch klingen und die Hardcoreeinflüsse, für die die Band anno 2006 schließlich auch bekannt wurde, fehlen würden. Fakt ist auf jeden Fall, dass Enter Shikari sowohl musikalisch, als auch textlich nicht stehen geblieben ist. In ihren Lyrics findet sich immer ein gewisser Tiefgang, sie sind politisch mit Aussage und immer wieder mit Bezügen zu historischen Figuren oder Philosophen, was mich als Geschichtsstudentin natürlich doppelt freut. Die Bandmitglieder sind Aktivisten und gehen auch schon mal gegen den Brexit auf die Straße. Nebenbei legt vor allem Sänger Rou auch unter dem Namen Shikari Soundsystem des Öfteren mal als DJ auf, u.a. bereits in Dortmund und Berlin.
The Spark das persönlichste Album von Enter Shikari
Dennoch markiert das fünfte Studioalbum The Spark, welches letztes Jahr erschien, laut Band eine neue Enter Shikari-Epoche. Es wirkt wie eine Art Neuanfang, ist es doch eines der persönlichsten Alben. Sänger und Texter Rou hatte laut eigenen Angaben 2015 ein „Year of Hell“, was ihn letztlich auch für die neuen Songs beeinflusst hat. Im Zuge der Promotion ihres Albums erzählte Rou außerdem erstmals öffentlich von seinen psychischen Problemen, welche sich 2015 in Form von Angst- und Panikattacken gezeigt hätten. Somit haben Songs wie „Live Outside“ trotz des poppigen Klangs auch einen ernsteren Hintergrund. „Take My Country Back“ hingegen kann als eine Art Protestsong gegen Brexit und Trump angesehen werden. Gleichzeitig sucht Rou aber auch nach Metaphern für Verlust und zerbrochene Beziehungen, wie in „An Ode to Lost Jigsaw Pieces“. Alles in allem also ein gelungenes Album mit sehr tanzbaren Songs. Und gleichzeitig hat die Band mit der Textzeile „Look what we’ve done to ourselves“ eine Songzeile von ihrem Debütalbum zitiert – wenn auch leicht abgewandelt.
Nach dem Rock im Park-Wochenende war mir einfach danach, mal etwas über eine Band von „früher“ zu schreiben, dessen erstes Album nicht nur meine Jugend begleitet, sondern mich vermutlich auch zur Hardcore- und Metalmusik gebracht hat. Außerdem ist es interessant, welche Bands letztlich nach einem Festivalwochenende im Kopf bleiben und dieses Jahr waren es neben den Foo Fighters definitiv Enter Shikari. Und mal ganz davon ab, bin ich seitdem auch großer Fan von Rous Katze Freya, die definitiv einen eigenen Instagram-Account verdient!
Für nächstes Frühjahr hat die Band noch einmal eine ausführliche Europa Tour angekündigt, mit zahlreichen Konzerten in Deutschland.
TOURDATEN:
02.04.2019 München – Neue Theaterfabrik
07.04.2019 Dresden – Alter Schlachthof
08.04.2019 Berlin – Huxleys
09.04.2019 Leipzig – Conne Island
11.04.2019 Erlangen – E-Werk
12.04.2019 Dortmund – FZW
13.04.2019 Köln – Live Music Hall
15.04.2019 Wiesbaden – Schlachthof
16.04.2019 Saarbrücken – Garage
Foto Credits: Live Nation
[…] Sommer war dazu da, einige Bands aus der Jugend endlich nochmal live zu sehen – wie etwa Enter Shikari oder Sum 41. Und auch im Herbst scheint es für mich so weiter zu gehen. Diesmal waren es The […]