Und schon ist ein Festivalwochenende wieder zuende. Gerade der erste Tag danach ist immer etwas komisch, wenn man plötzlich wieder zurück in der Zivilisation ist und nicht wie die vergangenen drei Tage mit 80 000 anderen Menschen vor einer riesigen Bühne Bands zujubelt. Es begegnen einem keine Menschen mehr in Hai- oder Batmankostümen und ein Riesenrad steht auch nicht einfach so am Straßenrand. Jetzt heißt es wieder zurück in den Alltag. Aber vorher wollen wir noch mal ein bisschen in Erinnerungen an ein vollends gelungenes Rock im Park– Wochenende schwelgen.
„Ab Mittag soll es regnen“ bemerken wir noch am Donnerstagabend, nach einem Blick auf unsere Wetter-App. Zeitgleich fängt bereits der erste Regenschauer an. Wir denken, das Ganze wird sich vermutlich über den gesamten ersten Rock im Park-Tag ziehen, denn immerhin waren die Aussichten für das Wochenende schon seit Wochen nur durchwachsen. Dass wir letztlich bei durchschnittlichen 25 Grad und fast ausnahmsloser Sonne an drei Tagen vor den Bühnen stehen würden, hätten wir da noch nicht gedacht. Doch bereits der Freitag begrüßt uns ohne Regen am Morgen. Die Sonne gesellt sich schließlich mittags dazu und will auch bis zu den Foo Fighters am Abend nicht verschwinden – wer kann es ihr auch verübeln, wenn immerhin Dave Grohl die Bühne betritt.
Back to the Good Old Days mit Good Charlotte
So finden wir uns also schon auf einem sonnendurchfluteten Zeppelinfeld wieder, als gerade Bad Religion ihren „Punk Rock Song“ spielen. Direkt im Anschluss betritt eine Band die Bühne, die uns bereits in unserer Jugend begleitet hat: Good Charlotte. Zugegeben, so wirklich haben wir die musikalische Karriere der US-Amerikaner nach ihrem Hit „I Just Wanna Live“ dann nicht mehr verfolgt. Aber wer erinnert sich nicht gerne an das Musikvideo, in dem die Bandmitglieder in Hot Dog Kostümen herumliefen? Doch nach einer längeren Pause von 2011 bis 2015, in der vor allem die Madden-Brüder eher durch ihr Privatleben in der Presse waren (Sänger Joel Madden ist mit Lionel Richies Tochter Nicole Richie verheiratet, Bruder und Gitarrist Benji mit Cameron Diaz), sind sie jetzt wieder zurück und kündigen gleich für September ein neues Album an. Ihrem Gig bei Rock im Park haben offenbar einige in unserem Alter entgegengefiebert. Und so beginnen Good Charlotte ihr Konzert auch direkt mit einem alten Hit: „The Anthem“. Es folgt eine ausgewogene Mischung aus älteren und einigen neueren Songs. Sänger Joel Madden macht immer wieder sympathische Ansagen, braucht manchmal zwar etwas länger, um seine Sätze zu beenden, man merkt aber deutlich, dass die Band wieder richtig Bock hat, in diesem Nachmittagsslot zu spielen und die Bühne gemeinsam mit Rise Against und den Foo Fighters an diesem Tag zu teilen. Zwar sind auch die verrückten Punk-Emo-Zwillinge inzwischen erwachsener geworden, das heißt aber nicht, dass die Band nicht immer noch alles gibt. Vor allem stimmlich scheint Sänger Joel besser drauf zu sein, als bei früheren Konzerten. Und natürlich beenden Good Charlotte ihr Konzert mit ihren zwei größten Hits: „I Just Wanna Live“ und im Anschluss direkt „Lifestyle Of The Rich And The Famous“. Wir müssen feststellen, dass wir die Texte auch nach über zehn Jahren immer noch auswendig können und singen freudig mit – so wie fast jeder vor der Zeppelinstage – und fühlen uns zum ersten, aber nicht zum letzten Mal, an diesem Wochenende wieder wie 16!
Eine Reise für die Geschmacksknospen
Im Anschluss testen wir erstmals an diesem Wochenende das Food Line Up von Rock im Park. Und das hat auch dieses Jahr wieder einiges zu bieten! Denn neben den typischen Bratwurst-, Asia- und Burger-Ständen sind dieses Jahr wieder sämtliche andere Leckereien dabei. Kässpatzen, Kartoffelreibedatschi, Wraps und Empanadas mit den verschiedensten Füllungen, ein riesiger Barbarenspieß, Pulled Pork Burger, Leberkäse und Hot Dogs mit diversen Toppings, süße Brezn, Langos und last but not least natürlich unser geliebtes Handbrot. Und so voll, wie es an diesem Wochenende auch wieder an den Handbrotständen war, scheint es immer noch DER Festivalklassiker schlechthin zu sein. Wir haben uns an diesem ersten Tag übrigens für eine süße Schoko Brezn, sowie Wraps und Kartoffelreiberdatschi entschieden und später noch für Langos – und es war vorzüglich!

Generell wurden in diesem Jahr offenbar deutlich mehr Sitzflächen auf dem Gelände ermöglicht, welche auch teilweise überdacht waren. Auf dem Weg von der Zeppelinstage zur Park- oder Arenastage spielte ein DJ-Team alles Querbeet aus den verschiedenen Musikjahrzehnten. So fand man sich manchmal tanzend zu „Coco Jumbo“ wieder, ehe direkt nach dem Konzert der Foo Fighters Nirvana lief. Immer wieder bleiben Menschen stehen, um für ein paar Minuten zu tanzen, ehe es weiter zu den Bühnen geht. Ziemlich coole Idee, wie wir finden. Auch wir haben das eine oder andere Mal kurz unsere Tanzschuhe ausgepackt.
Zurück zur Zeppelinstage. Da spielen gerade Rise Against und heizen die Menge an, die vorne im Pogo schon mal ordentlich den Staub aufwedelt. Es gibt alle Hits, die Rise Against zu bieten hat und bei „Hero of War“ traditionell einen ziemlichen Gänsehautmoment für uns. Dieser Song packt uns einfach immer wieder, egal wie oft wir ihn inzwischen live gehört haben. Aber sobald Tim McIllrath samt Akustikgitarre auf der Bühne steht und Tausende im Publikum mit einstimmen, geht uns das ganz schön unter die Haut. Leider müssen wir feststellen, dass der Sound vorne direkt im ersten Wellenbrecher doch relativ leise ist, was leider auch schon letztes Jahr die ersten Konzerte des Freitags etwas vermiest hat. Also wieder weiter nach hinten, um letztlich die Foo Fighters bei bestem Sound zu erleben.
Foo Fighters zurück bei Rock im Park
Und die Headliner des Freitags betreten schließlich auch pünktlich um 20:30 Uhr die Bühne. Gleich das erste Gitarrenriff von Dave Grohls blauer Gibson lässt erahnen, dass es hier an diesem Abend ziemlich laut werden wird. Ihr Set starten sie mit „Run“ vom neuen Album Concrete And Gold, das letztes Jahr erschien. Und direkt beim ersten Song zeigt die Band eine so große Präsenz auf der Bühne, dass es einen fast umhaut. Und das, obwohl wir beide die Foo Fighters schon mehrmals live gesehen haben. Ohne große Ansagen folgen Hits wie „All My Life“ und „Learn To Fly“, ehe zu „Sky Is A Neighborhood“ plötzlich drei Backhgroundsängerinnen auf die Bühne kommen. Man wundert sich kurz, ist man so etwas ja eigentlich von den Foo Fighters nicht gewohnt. Aber gerade bei diesem bombastischen Song machen die Sängerinnen Sinn, immerhin wird Dave Grohl auf Platte stimmlich von The Kills Sängerin Alison Mosshart unterstützt.
Auch, wenn die Foo Fighters seit letztem Jahr mit ihrem neuen Album auf Tour sind, werden natürlich auch an diesem Abend bei Rock im Park sämtliche Hits gespielt. Ob nun „The Pretender“, „These Days“ oder das melancholische „My Hero“, bei dem zunächst nur Dave Grohl mit Gitarre auf der Bühne steht und kräftig vom Publikum stimmlich unterstützt wird. Bei der obligatorischen Bandvorstellung zeigen schließlich auch die anderen Bandmitglieder, was sie stimmlich so drauf haben. So covert Gitarist Chris Shiflett den Alice Cooper-Song „Under My Wheels“, ehe Pat Smear „Blitzkrieg Bob“ anspielt und schließlich Drummer Taylor Hawkins seinen großen Moment hat und genau das macht, was er schon drei Jahre zuvor im Park getan hat: er singt „Under Pressure“ von Queen und David Bowie. Und das mit den passenden Freddie Mercury Posen dazu! Es ist schön zu sehen, dass sich dabei auch mal die größte Rampensau Dave Grohl ein bisschen zurücknimmt und sich einfach an die Drums setzt und damit aber auch einen ganz kleinen Hauch von Nirvana zurückbringt.

Ganze zweieinhalb Stunden spielen die Foo Fighters und das alles ohne größere Pausen oder Zugaben – denn dadurch könnte ja wertvolle Spielzeit verloren gehen, laut Grohl. So wird also bei inzwischen klarem Nachthimmel „Best Of You“ gefolgt von „Everlong“ gespielt, bei dem noch einmal aus voller Kehle mitgegrölt werden kann. Und das machen die Leute auch. Egal, ob vorne an der Bühne oder ganz hinten am Riesenrad. Genau damit haben die Foo Fighters mal wieder bewiesen, dass sie eben ein würdiger Headliner sind! Für uns einer der besten Auftritte des Wochenendes!
Im Anschluss strömen viele Menschen auf die Parkstage, um den Auftritt der Gorillaz zu sehen. Doch wie bereits bei Rock im Park 2015 bei Slipknot gibt es zunächst keine Chance, auf das Gelände der Bühne zu kommen. So beenden wir den ersten Festivaltag mit einem bis zum nächsten Morgen andauernden Ohrwurm von „Sky Is A Neighboorhood“…
Credits Good Charlotte Video: Bernd Roller
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